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WohnDialog Frankfurt am Main – Interview

Über ganzheitliche Denkweisen und Grundbedürfnisse in unserer Gesellschaft

 

Projektleiterin Jana Mielke vom Heuer Dialog im Gespräch mit Ferdinand Borchmann-Welle und Dr. Jasna Baumgarten über Wohnprojekte und Wohninitiativen, die eine Antwort auf gesellschaftliche und demographische Herausforderungen sein können.

Heuer Dialog: Ihre Organisation steht insbesondere für langfristiges, bezahlbares Wohnen. Das klingt zu schön, um wahr zu sein! Wie ist Ihr Ansatz und wie kann das garantiert werden?

TING Projekte: Die Finanzierung unserer privaten Wohngenossenschaft beinhaltet drei Säulen: Es sind die Einlagen der zukünftigen Mitglieder / Teilhaber mit einem Eigenkapitalanteil für ca. 25 % der Erstellungskosten, es ist die soziale Wohnraumförderung für ca. 30 % der Wohnungen und es ist das Darlehen der KfW-Bank für energieeffizientes Bauen.

Alle Teilbereiche mit Darlehen werden so ausgerichtet, dass eine möglichst lange Zinsbindung besteht, sodass die Höhe der Zinsen und Tilgung, als überwiegender Kostenbestandteil der Kaltmiete, über einen möglichst langen Zeitraum konstant sind und keine jährliche Erhöhung benötigen. Die Wohngenossenschaft, deren Teilhaber die wohnenden Mitglieder sind, arbeitet zu Selbstkosten und muss keine Rendite erwirtschaften, d.h. über die Kaltmiete werden neben dem Finanzdienst die Kosten für die Genossenschaftsverwaltung und Rücklagen für Mietausfall und Instandhaltung bezahlt.

Im Rahmen der Selbstverwaltung unserer privaten Wohngenossenschaften sind die Mitglieder darüber hinaus bemüht, anfallende Arbeiten um die Immobilie, aber auch die Führungsaufgaben (Amt des Vorstandes und Aufsichtsrates) in Eigenregie ehrenamtlich zu gestalten.

Heuer Dialog: ESG zwingt die Immobilienwirtschaft zum Umdenken. Was ändert sich aus ihrer Sicht durch ESG im Wohnungsmarkt? Führt es dazu, dass wir künftig mehr genossenschaftliches Wohnen sehen werden?

TING Projekte: Es muss eine ganzheitliche Denkweise passieren. Das Wohnen ist ein Grundbedürfnis in unserer Gesellschaft. Von daher sollten wir alle Facetten eines guten Wohnens hinsichtlich Herstellung und Betrieb in unser Tun mit einbeziehen, d.h. nachhaltig planen und bauen, d.h. das Leben unter Freunden initiieren, also Bildung einer guten Nachbarschaft, Gemeinschaft, d.h. auch (einkommensabhängige) bezahlbare Mieten (frei finanziert und öffentlich gefördert), die auf die Region ausgerichtet sind.

Das Wohnen in einer privaten Genossenschaft passt in die Bedingungen unserer heutigen Zeit, es hat viele Vorteile und es gibt zunehmend Menschen, die sich gerade von einer Selbstverwaltung in einer guten Nachbarschaft angezogen fühlen. Wir entwickeln in erster Linie Mehrgenerationenhäuser, Jung und Alt unter einem Dach mit einem klaren Fokus auf Gemeinschaft. Ich denke in Schleswig-Holstein konnten wir die private Wohngenossenschaft etablieren- immerhin an über 20 Standorten.

Heuer Dialog: Gerade die Stadt Frankfurt am Main ist ein sehr heißes Pflaster, wenn es um bezahlbaren Wohnraum geht. Zudem ist die Stadt ja im Grunde fertig gebaut. Welche Projekte planen Sie in der Region?

TING Projekte: Im Augenblick haben wir kein konkretes Projekt in Frankfurt projektiert, beschäftigen uns aber im Umkreis von Frankfurt und in der Rhein-Main-Region bereits mit neuen Standorten. Jetzt im Frühjahr werden wir in Frankfurt für Hessen ein Büro eröffnen und uns dann viel konkreter mit dem Geschehen in Frankfurt befassen können. Frankfurt hat mit Sicherheit das Potential für private Wohngenossenschaften, als ein drittes Marktsegment zwischen Miete und Eigentum.

Ich glaube auch nicht, dass eine Stadt wie Frankfurt jemals fertig gebaut sein könnte – vielmehr erfahren die Menschen in jeder Stadt auf dieser Welt ständige Veränderungen, auf die reagiert werden muss.

Insofern gehe ich davon aus, dass wir auch in Frankfurt in aller nächster Zeit ein passendes Grundstück finden werden, dass wir gemeinsam mit der Stadt projektieren werden. Ein gutes Flächenpotential bieten zudem, noch nicht sanierte Gebäude in Kombination mit Baulücken und Aufstockung der Bestandsflächen.

Heuer Dialog: Würden Sie die Stadt Frankfurt als Treiber für gemeinschaftliches Wohnen bezeichnen?

TING Projekte: Frankfurt ist eine weltoffene lebendige Stadt, die ständig mit neuen Ansätzen konfrontiert ist. Und klar – warum sollte gutes Wohnen nicht neu gedacht und umgesetzt werden? Ich denke, Frankfurt hat neue, gute Voraussetzungen auch das Wohnen anders anzugehen. Das gemeinschaftliche Wohnen verhilft der Stadt sozial stabile Quartiere zu schaffen, indem die Nachbarschaftshilfe vom ersten Tag an funktioniert, statt nachsorgend in den sozialen Brennpunkten zu wirken. Auch in guten Wohnlagen verhilft eine solche Wohnform zu mehr bürgerlichem Engagement und Zusammenhalt.

Heuer Dialog: Mit welchen weiteren Partnern:innen arbeitet TING zusammen?

TING Projekte: Die Kollegen:innen bei TING organisieren im Wesentlichen die Prozesse für das Bauen und die Finanzierung und gestalten das Gruppen- und Genossenschaftsgeschehen, sodass mit Beginn der Wohnphase die wohnenden Mitglieder der Genossenschaft in Eigenverantwortung die Wohngenossenschaft selbst bewirtschaften können.

  • Wir arbeiten mit freiberuflichen Entwurfsarchitekten:innen und weiteren Fachplanern:innen
  • Wir errichten unsere privaten Wohngenossenschaften immer im Austausch mit den Kommunen
  • Wir haben verschiedene Bauunternehmen, die als Generalunternehmer oder in Einzelvergabe mit uns bauen
  • Wir organisieren die Finanzierung mit regionalen Banken, im Einklang mit der jeweiligen Förderbank
  • Wir arbeiten mit Prüfungsverbänden, mit Notaren, mit Gutachtern
  • Und letztlich mit vielen Menschen um uns herum, die unsere Arbeit unterstützen wollen

Heuer Dialog: Frau Dr. Baumgarten, Herr Borchmann-Welle, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Interview führte Jana Mielke, Projektleitern, Heuer Dialog GmbH

 

Das ursprüngliche Interview finden Sie auf
heuer-dialog.de

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